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Es geht los. Das erste Storchenküken hat bereits die Eierschale durchstoßen und arbeitet sich weiter vor…

Bereits im zweiten Jahr brüten unsere Kirchhofstörche auf dem Marienheim. Nachdem es im vergangenen Jahr leider noch keinen Nachwuchs gegeben hat, ist die Hoffnung in diesem Frühjahr umso größer. Geduldig und aufmerksam wechseln sich die beiden Altvögel beim Brüten ab, richten das Nest und wachen über ihr Gelege.

Über unsere Livecam können alle Interessierten jederzeit miterleben, wie sich das Leben auf dem Kirchhof entwickelt – vielleicht schon bald mit den ersten zarten Lebenszeichen der Küken. Der Blick richtet sich gespannt ins Nest.

Wenn ein Storchenküken kurz davorsteht, aus dem Ei zu schlüpfen, befindet es sich in einer hochsensiblen Übergangsphase zwischen vollständig geschütztem Leben im Ei und der rauen Außenwelt. Dieser Moment ist kein plötzlicher „Durchbruch“, sondern ein Prozess, der sich über Stunden – manchmal sogar über ein bis zwei Tage – erstreckt.

Im Inneren des Eis hat sich das Küken nahezu vollständig entwickelt. Es liegt eng zusammengerollt, der Kopf meist unter dem rechten Flügel verborgen. Der Dottersack, der es während der gesamten Entwicklung ernährt hat, ist weitgehend aufgebraucht und wird langsam in den Körper eingezogen. Die Sauerstoffversorgung wird zunehmend schwieriger, da das Küken wächst und mehr Atemluft benötigt.

Ein entscheidender Moment ist erreicht, wenn das Küken mit seinem Schnabel die sogenannte innere Eihaut durchstößt. Dadurch gelangt es in die Luftkammer am stumpfen Ende des Eis. Hier nimmt es zum ersten Mal Luft auf – ein erster, noch unsicherer Atemzug. Dieses „innere Anpicken“ ist ein wichtiger Schritt, der dem Küken signalisiert: Der richtige Zeitpunkt zum Schlüpfen ist gekommen.

Nun beginnt die eigentliche Arbeit. Am Schnabel des Kükens befindet sich ein kleiner, harter Fortsatz – der sogenannte Eizahn. Mit diesem Werkzeug ritzt es die Schale von innen an. Es stößt immer wieder dagegen, macht Pausen, sammelt Kraft und setzt erneut an. Schritt für Schritt entsteht ein feiner Riss, der sich langsam wie ein Ring um das Ei zieht.

Dieser Vorgang wird als „Zirkeln“ bezeichnet: Das Küken dreht sich im Ei und erweitert dabei die Bruchlinie. Dabei ist es vollkommen auf sich allein gestellt. Anders als bei manchen anderen Tierarten helfen die Eltern nicht aktiv beim Schlüpfen.

Nach vielen Anstrengungen gibt die Schale schließlich nach. Ein Teil bricht auf, Licht dringt ein, und das Küken beginnt, sich aus der engen Hülle herauszuwinden. Oft wirkt es erschöpft, bleibt zunächst liegen und ruht sich aus.

Frisch geschlüpfte Storchenküken sind noch klein, feucht und schwach. Ihr Flaum ist verklebt, die Bewegungen sind unbeholfen. Doch schon nach kurzer Zeit beginnen sie zu trocknen, richten sich vorsichtig auf und nehmen ihre Umgebung wahr.

Die Eltern reagieren meist aufmerksam: Sie ordnen das Nest, wärmen die Küken und beginnen bald mit der ersten Fütterung. Von diesem Moment an ist das Küken Teil des aktiven Nestlebens – angewiesen auf Fürsorge, aber auch bereit für die nächsten Schritte seines Wachstums.

Der Schlupf eines Storchenkükens ist eindrucksvoller Vorgang. Ein mühsam errungener Übergang ins Leben – geprägt von Ausdauer, Instinkt und einem erstaunlichen inneren „Wissen“ darum, wann und wie der richtige Moment gekommen ist.

Von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr machen wir täglich übrigens eine Kamerafahrt ins Nest, das ein Storchenpaar auf dem Kirchdach von St. Blasius erreichtet hat.

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