Liebe Gemeindemitglieder,
ich hoffe, Ihnen geht es gut und Sie kommen in diesen sommerlichen Tagen, egal ob daheim oder verreist, ein wenig auf andere Gedanken.
Wenn ich im Urlaub bin oder auch Pfarrer Mvuanda, können in unserer Seelsorgeeinheit am Wochenende „nur“ drei heilige Messen gefeiert werden. Wir feiern dann die Vorabendmesse in St. Michael, am Sonntag den Hauptgottesdienst in St. Blasius und am Sonntagabend die Eucharistie in der Konviktskirche.
Ich bin mir bewusst, dass dies für unsere Dörfer eine Entbehrung ist, dass diese Entscheidung nicht von allen gleichermaßen verstanden wird und dass man gute Gründe haben kann, manches auch anders zu sehen. Dennoch halte ich diesen Weg für sinnvoll.
Denn gerade in einer Zeit, in der nicht mehr überall und zu jeder Zeit Eucharistie gefeiert werden kann, gewinnen Verlässlichkeit und feste Gottesdienstzeiten an Bedeutung. Was nicht mehr in der bisherigen Häufigkeit angeboten werden kann, sollte umso verlässlicher sein. Wer am Sonntag die Eucharistie mitfeiern möchte, sollte wissen können: Zu dieser Zeit und an diesem Ort wird sie gefeiert – ohne jedes Wochenende neu nachsehen und planen zu müssen.
Feste Gottesdienstzeiten schaffen Orientierung. Sie erleichtern es, den Gottesdienst selbstverständlich in den eigenen Sonntag einzuplanen, und helfen auch Menschen, die nicht regelmäßig unseren Kirchenanzeiger oder unsere digitalen Angebote verfolgen. Zugleich können sich an verlässlichen Zeiten neue Gewohnheiten und Gemeinschaft bilden. Wenn Menschen aus verschiedenen Orten immer wieder zur selben Zeit zusammenkommen, wächst nach und nach eine Gottesdienstgemeinde, die über die Grenzen des eigenen Dorfes hinausreicht.
Die Kirchen in der Innenstadt werden nicht nur von Menschen aus unserer Seelsorgeeinheit besucht. Immer wieder kommen auch Gläubige aus anderen Gemeinden hinzu. Darüber hinaus bleiben die zurückzulegenden Wege überschaubar, sodass alle, die an einer Eucharistiefeier teilnehmen möchten, dies ohne allzu großen Aufwand tun können.
Wie gesagt bedeutet das für unsere Dörfer, dass dort über mehrere Sonntage hinweg keine Eucharistie gefeiert wird. Das ist keineswegs nebensächlich. Gerade Menschen, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten gewohnt sind, sich am Sonntag in ihrer eigenen Kirche zur Eucharistie zu versammeln, erleben dies als schmerzlichen Verlust. Das möchte ich nicht kleinreden.
Umso dankbarer bin ich dafür, dass damit das gottesdienstliche Leben in unseren Dörfern keineswegs zum Erliegen kommt. Unsere Wortgottesleiterinnen und Wortgottesleiter leisten hier – und ja auch das ganze Jahr über – einen unschätzbaren Dienst.
Sie bereiten Gottesdienste vor, setzen sich mit Schrifttexten auseinander, beten und singen mit der Gemeinde, schaffen Raum für die Begegnung mit Gott und untereinander und tragen dazu bei, dass Menschen sich vor Ort im Glauben versammeln können. Das geschieht ehrenamtlich und mit großem persönlichem Einsatz.
Wo Menschen sich im Namen Jesu versammeln, auf das Wort Gottes hören, miteinander beten, singen und ihren Glauben teilen, geschieht etwas Kostbares. Gemeinde wird sichtbar. Menschen tragen miteinander Kirche.
Aber auch über die Gottesdienste hinaus geschieht vieles vor Ort, wodurch der Glaube Gestalt gewinnt und was unsere Kirchengemeinden lebendig hält.
Dafür möchte ich heute, aus meinem Urlaub heraus, Danke sagen. Allen, die dazu beitragen, dass Kirche vor Ort lebendig bleibt: den Mesnerinnen und Mesnern, den Organistinnen und Organisten und allen, die musikalisch mitwirken, den Lektorinnen und Lektoren, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfern, den Frauen und Männern, die Kirchen schmücken und öffnen, den Ministrantinnen und Ministranten, den Mitgliedern unserer Gremien und Dienste und all jenen, die Menschen ansprechen, Gemeinschaft ermöglichen und Verantwortung übernehmen. Unsere Kirchengemeinden wären ohne diesen Einsatz um vieles ärmer.
Vielleicht liegt darin eine wichtige Erfahrung für die Zukunft unserer Kirche.
Wir wissen, dass sich die kirchlichen Strukturen verändern, Kirchengemeinden größer werden und wir uns daran gewöhnen müssen, dass nicht mehr in jeder Kirche und an jedem Sonntag Eucharistie gefeiert werden kann und manches eine andere Form annehmen wird. Wir dürfen darüber traurig sein, aber bang muss uns deshalb noch lange nicht werden.
Denn unsere Seelsorgeeinheit zeigt schon heute, wie es gehen kann. Die Zukunft der künftigen Kirchorte (die dann ehemaligen Kirchengemeinden) wird nicht allein davon abhängen, wie viele Priester und wie viel pastorales Personal zur Verfügung stehen. Sie wird ganz wesentlich davon abhängen, ob es Menschen gibt, die vor Ort sagen: Diese Kirche ist mir wichtig. Diese Gemeinschaft ist mir wichtig. Mein Glaube ist mir wichtig. Deshalb bringe ich mich ein.
Vielleicht ist das eine ermutigende Erfahrung in unserer gegenwärtigen Situation: Kirche lebt dort, wo Menschen ihren Glauben nicht nur empfangen, sondern ihn miteinander teilen und füreinander Verantwortung übernehmen.
Allen, die genau das in unseren Gemeinden tun, sage ich ein herzliches Vergelt’s Gott!
Ihr Pfarrer Harald Gehrig
