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Mit einer Hoffnung unterwegs – Zum Osterbild von Christel Holl

Das diesjährige Osterbild von Christel Holl trägt den Titel „Mit einer Hoffnung unterwegs“. Es zeigt eine Szene aus dem Lukasevangelium: zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Nach dem Tod Jesu haben sie Jerusalem verlassen. Enttäuscht, verwirrt und voller Fragen gehen sie ihren Weg – und bemerken zunächst nicht, dass ein Dritter mit ihnen geht: der auferstandene Christus.

Das Bild greift diese Bewegung auf. Drei Gestalten sind zu sehen. Sie gehen gemeinsam einen Weg. In der Mitte die hell gekleidete Gestalt – Jesus. Links und rechts die beiden Jünger, noch gefangen in ihrer Trauer und ihren Gedanken. Der Weg ist in warmen Farben gemalt, rötlich, erdig, fast wie ein Strom, der sich durch das Bild zieht. Darüber öffnet sich eine Landschaft mit Mauern, Wegen und einem weiten Himmel. Der Weg steht im Zentrum. Es wird deutlich, Ostern ist kein statischer Moment, sondern ein Weggeschehen. Die Emmausjünger sind unterwegs – und mitten in ihrem Gehen, mitten in ihrer Unsicherheit, schließt sich Jesus ihnen an. Erst später erkennen sie ihn. Aber schon vorher geht er mit ihnen.

Diese Erfahrung berührt auch unsere Zeit. Viele Menschen erfahren derzeit, in einer unruhigen und unsicheren Welt unterwegs zu sein. Kriege erschüttern ganze Regionen, politische Spannungen wachsen, und auch in unserer Gesellschaft sind Veränderungen spürbar. Manche fragen sich, wohin sich alles entwickelt und welche Zukunft vor uns liegt.
Und auch die Kirche befindet sich auf einem Weg des Wandels. Gewohnte Strukturen verändern sich, Gemeinden müssen neue Formen finden, manches, was lange selbstverständlich war, trägt nicht mehr in gleicher Weise. Für viele Menschen ist das mit Fragen und auch mit Sorgen verbunden.

Gerade hier kann die Emmausgeschichte Hoffnung geben. Die ersten Jünger kannten diese Erfahrung ebenfalls. Ihre Erwartungen hatten sich scheinbar zerschlagen. Sie gingen weg von Jerusalem – weg von dem Ort, an dem ihre Hoffnung gestorben war. Doch genau auf diesem Weg begegnet ihnen Christus. Er geht mit ihnen, hört ihnen zu, nimmt ihre Fragen ernst und öffnet ihnen Schritt für Schritt einen neuen Horizont. Die Hoffnung kehrt nicht plötzlich zurück, sondern wächst langsam im gemeinsamen Gehen und im Gespräch.

Das Bild von Christel Holl bringt diese stille Begleitung zum Ausdruck. Die drei Gestalten gehen nebeneinander. Niemand drängt sich in den Vordergrund. Es ist ein gemeinsamer Weg. Hoffnung entsteht hier nicht durch große Gesten, sondern durch Nähe, durch Zuhören, durch das Miteinander unterwegs sein.

Vielleicht liegt darin eine wichtige Botschaft für uns heute: Hoffnung entsteht dort, wo Menschen miteinander gehen. Wo sie ihre Sorgen teilen, einander zuhören und sich gegenseitig stärken.

Manchmal können wir selbst für andere zu solchen Weggefährten werden. Ein gutes Wort, ein offenes Ohr, eine helfende Hand – all das kann Hoffnung wachsen lassen. Und manchmal erleben wir umgekehrt, dass andere uns tragen, wenn unser eigener Mut kleiner wird. So wird die österliche Hoffnung weitergegeben – von Mensch zu Mensch. Am Ende der Emmausgeschichte kehren die Jünger nach Jerusalem zurück. Aus Enttäuschten sind Hoffende geworden. Sie haben erfahren: Christus lebt und geht mit.

Auch wir sind „mit einer Hoffnung unterwegs“. Ostern erinnert uns daran: Auf unserem Weg sind wir nicht allein. Christus geht mit uns – und oft begegnet er uns gerade im gemeinsamen Unterwegssein mit anderen Menschen.

So wünsche ich Ihnen ein hoffnungsvolles und gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer Harald Gehrig

Christel Holl, Mit einer Hoffnung unterwegs, Copyright Beuroner Kunstverlag

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