Der Tradition nach fliegen von Gründonnerstag bis zur Osternacht „die Glocken nach Rom“. Während des Glorias in der Gründonnerstagsliturgie werden die Kirchenglocken sowie die Altarschellen durchgängig geläutet. Auch die Orgel spielt dabei für die nächsten Tage ein letztes Mal. Das Schweigen der Instrumente und Glocken bis zum Gloria in der Osternachtliturgie soll akustisch an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnern, welchem in den Kartagen gedacht wird.
Da in dieser stillen Zeit die Gläubigen jedoch trotzdem auf die verschiedenen Gebets- und Gottesdienstzeiten hingewiesen werden sollen, hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Brauch des Rätschens vor allem im deutschsprachigen Raum entwickelt. Den genauen Zeitpunkt seiner Entstehung lässt sich nicht nachweisen, aber es soll bereits zur Zeit von Karl dem Großen im 8. Jahrhundert während der Heiligen Drei Tage gerätscht worden sein.
Rätschen sind Holzlärminstrumente, welche in unterschiedlicher Größe und Bauweise existieren. So gibt es unter anderem kleine Handrätschen, Schubkarrenrätschen, Kastenrätschen und große Turmrätschen.
Die Durchführung des Brauches ist regional unterschiedlich. So gibt es Kirchengemeinden, welche mit großen Kasten- oder Turmrätschen nur vor der Kirche oder vom Kirchturm aus das Angelusläuten sowie das Zusammenläuten für die Gottesdienste ersetzen. In anderen Kirchengemeinden ziehen Rätschgruppen zu diesen Zeiten rund um die Kirche.
In St. Blasius rätschen die Ministranten um 6.00 Uhr, 12.00 Uhr, 20.00 Uhr und eine halbe Stunde vor den Gottesdiensten vom Kirchturm. Dreißig Minuten vor der Rätschzeit versammeln sich die Ministranten zum Aufstieg auf den Turm. Dort wird dann mit vier Rätschen für vier mal drei Minuten eine viertel Stunde lang in alle vier Himmelsrichtungen gerätscht. Hierbei prallen auf einen Resonanzkasten aus Holz mehrere Holzhämmer, die durch die Nocken einer Kurbel angehoben werden, was man je nach Windrichtung weit in die Stadt hinein hört.
Auf die Ministranten, die um 6.00 Uhr mit dem Rätschen dran sind, wartet anschließend ein Frühstück im Marienheim.
