Wenn von einem Schutzpatron für Reisende die Rede ist, denken die meisten sofort an den heiligen Christophorus. Viele kennen seine Medaille am Autoschlüssel oder die kleine Plakette im Fahrzeug. Seit Jahrhunderten gilt er als Begleiter der Menschen auf ihren Wegen.
Schaut man jedoch in die Bibel, begegnet uns ein anderer himmlischer Begleiter: der Erzengel Raphael.
Sein Name bedeutet „Gott heilt“ und seine Geschichte wird im Buch Tobit erzählt. Dort begleitet Raphael – zunächst unerkannt unter dem Namen Asarja – den jungen Tobias auf einer langen und gefährlichen Reise. Ein wichtiges Detail der Erzählung ist der Fisch, den Tobias unterwegs fängt. Raphael fordert Tobias auf, Herz, Leber und Galle aufzubewahren. Später dienen sie dazu, Sara von dem Dämon Aschmodai zu befreien und Tobits Augen zu heilen. Der Fisch wird so zum Symbol dafür, dass Gott auf überraschende Weise für seine Menschen sorgt. Weiterhin hilft Raphael Tobit bei praktischen Herausforderungen, beschützt ihn vor Gefahren, führt ihn zu guten Begegnungen. Erst am Ende der Reise gibt er sich als Erzengel zu erkennen.
Gerade diese biblische Erzählung macht Raphael zum eigentlichen Schutzpatron der Reisenden. Anders als bei Christophorus beruht seine Verbindung zum Reisen unmittelbar auf einer biblischen Geschichte. Raphael ist der einzige Erzengel, den die Heilige Schrift als Begleiter eines Menschen auf einer Reise beschreibt.
Das schmälert die Verehrung des heiligen Christophorus keineswegs. Seine Legende vom Christusträger, der das Jesuskind durch den Fluss trägt, hat Generationen von Gläubigen geprägt und macht ihn bis heute zum beliebten Patron der Reisenden. Zwar wurde sein Gedenktag 1969 aus dem Allgemeinen Römischen Kalender gestrichen, weil über sein Leben nur wenige historisch gesicherte Erkenntnisse vorliegen. In Deutschland und vielen anderen Regionen wird der heilige Christophorus jedoch weiterhin liturgisch am 24. Juli gefeiert und besonders als Schutzpatron der Reisenden verehrt.
Wer sich jedoch auf die biblischen Wurzeln besinnen möchte, findet im Erzengel Raphael einen besonderen Begleiter. Er steht für Gottes schützende Nähe auf allen Wegen – ob im Urlaub, auf einer Pilgerreise, auf Geschäftsreise oder im Alltag.
Gerade jetzt, in der Reisezeit, kann uns Raphael daran erinnern: Gott begleitet uns oft unauffällig. Manchmal erkennen wir erst rückblickend, wie wir bewahrt wurden oder wer uns auf unserem Weg geholfen hat. So wie Tobias seinen Begleiter erst am Ende der Reise wirklich erkannte, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass Gott uns auf unseren Wegen nicht allein lässt.
